Empty Nest: Wie wir nach der Pandemie neu anfangen

Nach der Pandemie, die ich in Deutschland mit meinem Mann, meinen Töchtern und unserem Kater verbrachte, waren die Töchter „plötzlich“ erwachsen und sind „flügge“ geworden. Das hieß, dass 2021 auch unsere Jüngste aus unserem gemütlichen Nest ausgeflogen ist.

Zurück blieben eine traurige Mama, ein trauriger Papa, der sich bei den Töchtern dreimal am Tag erkundigte, ob sie auch genug gegessen hätten, und ein Kater, der diese neue Situation des leeren Nests zu seinem ureigenen Vorteil nutzte, indem er als „alter“ 13-jähriger Herr zu einem Kleinkind mutierte und rund um die Uhr bespaßt werden wollte.

Mein Mann und ich saßen in unserem viel zu groß gewordenen Haus, umgeben von einer ungewohnten Stille und fühlten, dass etwas Großes fehlt. Es fehlten zwar unsere Töchter in persona, doch es war mehr dieses Gefühl des Sich-Kümmern-Dürfens, was abhandengekommen war. Diese Lücke, dieses Loch, in das ich nach dem Auszug und Weggang unserer Töchter gefallen bin, war groß, war immens.


Ich sagte mir zwar immer, dass die Entwicklung richtig und logisch ist. Dennoch fing ich an, in der Vergangenheit zu graben. Wie schön war es doch, für die Töchter die Geburtstagspartys auszurichten. Wie schön war es, sie zu trösten, sie zur Schule zu begleiten, mit ihnen shoppen zu gehen, Hausaufgaben mit ihnen zu machen, gemeinsam etwas zu backen oder zu kochen und, und, und.

Ich schwelgte in Erinnerungen und das war schmerzlich. Ich erkannte, dass meine Töchter zwar auch diese Erinnerungen teilten, sie waren jedoch in ihrer derzeitigen Phase nicht so emotional bedeutend für sie.
Auch wurde mir von meinen Kindern deutlich vor Augen geführt, dass sie nun ihr eigenes Leben leben und ich darin eher die Rolle eines „Zaungasts“ bekam, der möglicherweise in „Notfällen“ finanziell unterstützen könnte.

Die Erkenntnis, dass man nach 20 bis 30 Jahren des Sich-Kümmerns seine Kinder ohne Reset-Taste sozusagen in die Welt entlässt, in der sie ihr eigenes Leben aufbauen, ist bitter und heilsam zugleich. Für mich wie für alle Mütter war gerade diese Phase sehr schmerzhaft. Mit der Geburt der Kinder war man von Tag 0 an Erzieherin, Nanny, Köchin, Chauffeurin, Krankenschwester, Unterhalterin, Spielgefährtin, Motivatorin, Animateurin, Geburtstagsplanerin, Schiedsrichterin, Streitschlichterin, Reinigungs- und Wäschekraft, Reiseplanerin, Finanzplanerin, Nachhilfelehrerin, Coacherin, Lebensplanerin und vieles mehr. Und alle diese Tätigkeiten absolvierten viele Mütter und Väter noch zusätzlich zu ihrer Berufstätigkeit und mancher Karrieren.
Doch nach 20 Jahren Familienzeit fallen diese Tätigkeiten alle weg.
Man findet sich als Eltern und besonders als Mutter in einem viel zu großen Haus, in einer viel zu großen Wohnung plötzlich arbeitslos wieder.


Die eigenen Eltern sind mir in diesen Momenten eingefallen, die scheinbar unaufgeregt und ohne Klagen diese Phase als Empty Nester „überlebt“ oder erlebt haben.

Mein Mann und ich entschieden uns für einen radikalen Weg. Wir hatten in unserem Leben öfter die Erfahrung gemacht, dass es besser ist, aus einer unangenehmen oder ungewollten Situation „auszusteigen“ als zu versuchen, Situationen oder Personen zu ändern. Aus diesem Grund haben wir uns für den „Ausstieg“ entschieden, um gleich wie unsere Töchter ein neues und selbstbestimmtes Leben zu führen.


Wir haben unser Haus verkauft, unsere Habseligkeiten in Container gepackt und sind mit einem Koffer und unserem Kater in die Wärme auf Teneriffa gezogen. Unsere berufliche Tätigkeit führen wir online und remote auch noch im frühen Rentenalter weiter.

Mein Mann und ich starteten wieder bei Null. Alles auf Anfang! Nach dem Studium, Ausbildungszeit, Beruf und einer langen Familienzeit wagten wir den Neustart in unser nächstes Kapitel. Wir fühlten uns wie Studenten 2.0.

November 2023
Tenerife eres hermosa

Hang Tien Endeavor – das Abenteuer meines Lebens

Wie ich im Phong Nha Ke-Bang Nationalpark die Hằng Tien-Höhlenexpedition knapp überlebte😄 – aber  wiederkam.

Der Phong-Nha Nationalpark ist ein Naturschutzgebiet im nördlichen zentralen Vietnam, das seit 2003 zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Der an Laos grenzende Nationalpark zeichnet sich durch tropische Wälder, Karstgebirge und den längsten Höhlen, sogar der größten Höhle der Erde aus. Ein Höhlentrip im Herzen Vietnams gehört noch zu den Geheimtipps unter Abenteurern und Backpackers. d0eb198b-2ab9-44d5-a641-c4729fa7e21d

Im Nationalpark liegt die älteste Karstregion Asiens, die vor 400 Millionen Jahren entstanden ist. 1991  wurde die größte Höhle der Welt hier von Einheimischen entdeckt, die Son Doong Höhle, die über 170 Meter hoch ist und 5 Kilometer lang ist. Später wurde sie von britischen Wissenschaftlern erforscht und 2003 der Öffentlichkeit freigegeben.

Das Monopol über die Höhlenexpeditionen hat Oxalis, gegründet von einheimischen Bergsteigern und Kletterern, die die Touristen in Gruppen und in verschiedenen Tagestouren durch die Höhlenlandschaft führen. Oxalis arbeitet höchst professionell, sind super ausgerüstet und betreuen die Kunden zusammen mit ihrem Personal fast 1:1.

Für meine erste Expedition entschied ich mich wagemutig zu einer dreitägigen Höhlentour mit zweimaliger Übernachtung im Dschungel.  img_7833Ich dachte, nichts leichter als das, in Österreich bin ich auch von St. Anton bis zum Silvretta-See gewandert, so kann ein bisschen „Höhle“ nicht schwieriger sein.

Als wir in das Hauptquartier von Oxalis mitten im Phong-Nha Nationalpark gefahren wurden, lernten wir auch unsere Gruppe kennen, die aus weiteren 6 Personen bestand. Als erstes bekamen wir unsere Ausrüstung mit wasserfesten Rucksäcken, bequeme Wanderschuhe, Höhlenhelme mit Licht und Handschuhe. Die Zelte mit Schlafsäcken wurden von der Betreuungscrew getragen. Nach einer  kleinen Einführung, welche giftigen Schlangen und Pflanzen wir besser nicht anfassen sollten, ging es auch schon los.

Und das bedeutete, bei 35 Grad im vollen Sonnenschein einen Berg hochwandern, dessen Wege zum Teil von Feldbrocken und Felsgestein unterbrochen wurde. Die Wanderung wurde schnell zu einer Kletterei im 90 Grad–Winkel. Nach ungefähr 1,5 Stunden Kraxelei ging mir die Puste aus. Ich brauchte ziemlich schnell etwas zu Trinken und eine neue Lunge, während die anderen Teilnehmer zwar auch keuchend aber stetig noch voran gingen. Nach 2 Stunden erreichten wir das Basislager, in dem wir übernachten sollten. Und da war es leider schon um mich geschehen, mein Gesichtsfeld engte sich ein, ich hatte Kreislaufprobleme und klappte zusammen. Dann ging aber alles ganz schnell. Meine Beine wurden hoch gelegt,  nasse Handtücher wurden auf mich gelegt, Zuckerlösung und ausruhen. Leider durfte ich dann erstmal nicht mit in die erste Höhle des Tu Lan-Komplexes.

Der Instant-Kaffee mit einer Milch-Zuckermischung gab Kraft und weckte die Lebensgeister

Ich erholte mich schnell. Die Verpflegung im Dschungel war zwar einfach, schmeckte aber in der Natur, umgeben von solcher Schönheit umso besser. Am zweiten Tag durfte ich wieder mit, bekam jedoch meinen privaten Betreuer, der die ganze Zeit nicht nur meine Hand hielt, sondern auch noch meinen Rucksack trug. Ich hatte plötzlich eine Privattour. Und diese führte mich über den Rao Nan Fluss (anscheinend Kulisse im Blockbuster King Kong) und in die Hang Tien Höhle.

Die Hang Tien Höhle ist für ihre Größe bekannt, besticht aber vielmehr durch die ungewöhnlichen Steinformationen, die wie Schichtkuchen aus Randsteinpools und Farnen aufsteigen. Außergewöhnlich, spektakulär, einzigartig – sind nur einige Adjektive, die die besondere Natur nicht annähernd beschreiben können.

Und weil die Natur so berauschend in ihrer Schönheit und das Erlebnis der Tour derart beeindruckend war, habe ich die Touren noch ein zweites und ein drittes Mal mit meinen Töchtern gemacht.

Der stille Amerikaner

Ein Film, der in den USA einen politischen Skandal auslöste, ist bis heute in Vietnam verboten.

Bild könnte enthalten: eine oder mehrere Personen und InnenbereichIn Hoi An ist inmitten der Altstadt und der zahlreichen Cafés ein Bistro,  das mit dem Filmplakat von „The Quiet American“ und dem Abbild des Schauspielers Michael Caine wirbt. Neugierig sind auch wir in die wunderschöne Filmkulisse eingetreten und tauchten in eine geheimnisumwitterte Szenerie ein, gesponnen aus der verspielten Architektur eines vormals chinesischen Handelshauses im tief dunklem Holz, dekoriert mit plüschsamtenen Kissen und Auflagen aus einem bestechendem, Dramatik verheißendem Rot, dessen Intensität ich zuvor noch nie gesehen hatte.

Das Haus gehört seit 200 Jahren einer Kaufmanns- und Handelsfamilie, nun in fünfter Generation, die durch den Handel mit Kräutern, wie Zimt, Betel Nuss, Zucker und Bohnen mit Hong Kong und Europa reich geworden sind. Die Matriarchin Co Nam, deren Mann früh gestorben ist, übernahm im 20. Jahrhundert die Geschäfte und expandierte. Sie gründete noch eine Apotheke und ein Theater in Hoi An. Das Haus wird nun von den zwei Enkeltöchtern geführt.

Dieses versteckte Bistro wurde vom ersten Augenblick an zu unserem geheimen Hotspot in Hoi An. Immer, wenn ich jetzt in dieser wunderschönen, romantischen Handelsstadt bin, genieße ich ein oder zwei Cocktails in der „The Quiet American Bar“ und schwelge in Erinnerungen an die von Graham Greene erzählten Liebesgeschichte zwischen dem britischen Reporter Thomas Fowler (gespielt von Michael Caine), der schönen Phuong und dem CIA Agenten Pyle im historischen Kontext des Vietnamkriegs. Das Bistro in Hoi An war Kulisse der Opium Bar, in der Pyle sich verschiedenen Verführungen hingab.

 

Lost in paradise

img_5093Ich habe Ruhe gesucht und sie in einem kleinen verwunschenen Resort der Künstlerin Ki em an der Ostküste Vietnams gefunden. 2 km entfernt vom nächsten Café und 50 km entfernt von der Touristenhochburg Nha Trang.

Die Anreise gab mir schon zu denken. Ich hatte zwar ein Shuttlecar von dem Resort gebucht, mich auch gewundert, dass die Abholung vom Flughafen Cam Ran mit 40 $ so teuer war, begriff aber erst während der Fahrt über holprige Straßen und Buckelpisten aus Sanddünen, dass ich ins Nirgendwo gebracht wurde.

Nach 1,5 Stunden Durchgeschütteltwerden erreichten wir das Resort. Gefühlt bin aus dem Auto geplumpst hinein in das Paradies auf Erden. Mich empfingen eine großzügige tropische Gartenanlage mit riesigen Terrakotta-Amphoren und Vogelgezwitscher, Keramikskulpturen, hallenartigen Aufenthaltsräumen.

Vom freundlichen Manager zur Eile angehalten hastete ich bei Dunkelheit hinter ihm her durch die wunderschöne Gartenanlage hin zu meinem Strandhäuschen. Auf halbem Wege stoppte er dann doch und bedeutete mir mit einem Kopfzucken nach rechts, dass dies das Restaurant sei und ich in 5 Minuten mein Dinner einnehmen sollte. Ich sah lediglich eine überdachte Terrasse mit einem 5 Meter langen Tisch, der bereits liebevoll mit Keramikgeschirr gedeckt war.

 

Mit 14 weiteren Gästen genoß ich ein superleckeres Menü der vietnamesischen Küche und fiel völlig entspannt und neugierig auf den nächsten Tag in mein Himmelbett mit Moskitonetz.

img_5067Am nächsten Morgen weckten mich die ersten Sonnenstrahlen, die Lust machten auf Morgenyoga am Strand. Ich bin kein Yogaguru, dennoch bemühte ich mich, morgens um 8 Uhr die Sonne mit dem Sonnengruß zu begrüßen und einen ächzenden „Hund“ und eine „Katze“ hinterher zu schicken.

Nachdem ich festgestellt hatte, dass ich entweder 2 km zum nächsten Café laufen könnte oder wieder 40$ nach Nha Trang zum Shoppen ausgeben müsste, um der Ruhe zu entfliehen, entschloss ich mich, an dem verlängerten Wochenende mich nur mit mir selbst zu beschäftigen, was so erholsam ist.

img_5045Ich möchte nicht mehr hier weg!img_5106

 

 

 

Magie im Ki-em art house

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Wer ist die Künstlerin, die diese einzigartigen Kunstwerke inmitten ihres außergewöhnlichen Art House Resort erschaffen hat?

Die Künstlerin Kim Nguyen (geb. 1957) wuchs durch ihre Eltern, ihrer vietnamesischen Mutter aus Ninh Bay und ihres deutschen Vaters aus Breslau in zwei Kulturen auf.

Die Familie lebte während des Krieges im Widerstand und im Untergrund. Kim, die aus diesem Grund ihre Kindheit auf den Reisfeldern oder am Meer und in verschiedenen Landschaftsabschnitten verbrachte, entwickelte eine tiefe Verbundenheit mit der Natur und der Landschaft, was sich in ihren wunderschönen Farben der Bilder und der Skulpturen wiederfindet.

 

Sie studierte Kunst an der École des Beaux Arts de Lyon, das sie mit verschiedenen Preisen der Akademie und 1985 mit dem Prix de Paris abschloss. Finanziert durch das Leonardo da Vinci- Stipendium durch das Ministerium für Auslandsbeziehungen kehrte sie nach Vietnam zurück, um ihre vietnamesischen Wurzeln zu erforschen. Nach mehreren Reisen zwischen Frankreich und Vietnam blieb sie einige Jahre in Saigon und nahm an zahlreichen Austellungen teil. Schließlich eröffnete sie ihr eigenes Ausstellungshaus als das Art House Resort, das ein derart harmonisches wunderschönes Zusammenspiel zwischen Kunst, Architektur und Landschaft darstellt, dass der Aufenthalt für den Besucher zu einem magischen Moment wird.

Vorbei an der „Himmelküche“ hinauf zur „schönsten Höhle des Südens“ – die Parfümpagode Chua Huong

Eine der bekanntesten Pagode liegt inmitten eines landschaftlich interessanten Gebietes. Auf romantischen Wasserwegen des Yen-Vi-Flusses und steilen Bergpfaden bewegt sich der Pilger in einer großartigen Natur zur Parfümpagode, die ihren Namen daher erhielt, weil dort einst ein chinesischer Mönch lebte, der einen ganz besonderen Duft hinterließ. Beim Besuch der Anbetungsstätte, die sich im Innern der Erde befindet, strömt einem bereits der Duft der Räucherspiralen und Stäbchen entgegen.

Kurz nach dem Anlegen in Ben Tro gelangt man zur nahe gelegenen Thien-Tru-Pagode, die aus dem 15. Jahrhundert stammt und „Himmelsküche“ bedeutet, da hier die Pilger die erste Mahlzeit zu sich nehmen, bevor sie den Berg hinaufsteigen.

Nach etwa 30 minütigen steilem Aufstieg durch einen dichten Dschungel erreicht man die Parfümpagode. Die nicht Wanderfreudigen können auch mit der Gondel auf den Berg fahren, aus der man einen wunderbaren Blick auf die undurchdringliche Natur hat. Die chinesischen Zeichen über dem Eingang bedeuten „die schönste Höhle des Südens“. Im Innern der Höhle befindet sich die Anbetungsstätte, in der die Göttin der Barmherzigkeit, Quand Am Nam (deren bemerkenswerte Geschichte habe ich bereits beschreiben:Von ihrem Vater verstoßen: Quan Âm – Göttin der Barmherzigkeit ) verehrt wird.

In den ersten drei Monaten des Jahres und jeweils zu den Tet-Feiern strömen Hunderttausende Vietnamesen zur Parfümpagode, um zu danken und zu beten. Die Pilger tragen Blumensträuße, Obst, Kekse, Getränke und Geld den Berg hinauf, um Buddha, Quand Am und verschiedene Götter zu verehren. Die Mönche, die im Tempel leben und sich um die Pagode kümmern, aber auch Zeremonien für die Pilger  ausrichten, nehmen vertretungsgemäß von den Geschenken.

 

Das weltweit einzigartige Wasserpuppentheater

Eine über tausend Jahre alte Kunstform Vietnams

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Seit dem 11. Jahrhundert gehört das Wasserpuppentheater zu jedem Pagodenfest. Legenden erzählen jedoch auch, dass bereits Jahrhunderte davor Reisbauern im Delta des Roten Flusses diese Theaterform aufführten, um die Regengötter gnädig zu stimmen und für eine gute Ernte zu sorgen.

In den Reisfeldern des Deltas, in dem immer noch Nassreis angebaut wird, gehören die Aufführungen heute noch zu den besonderen Highlights. Berühmt sind eben auch die Darstellungen in den Theatern der Künstlertruppen, die bekanntesten hiervon sind in Hanoi und in Saigon.

Die Figuren werden in Handarbeit geschnitzt und anschließend mit Farbe wasserfest und haltbar gemacht.  Die Holzpuppen werden an langen Stangen unter einem Bambusvorhang hindurchgeschoben und bewegt. Hinter dem Vorhang befinden sich die Puppenspieler, die zugleich die Puppen über Wasser halten und ihre Arme und Beine an Schnüren bewegen.

Es heißt, dass es drei Jahre braucht, um die Holzpuppen halten, bewegen und tanzen lassen zu können. Alltagsgeschichten vom Reisfeld, Fischfang, Büffelkampf werden gezeigt, aber auch Mythen von den heiligen Tieren und Heldensagen, wie etwa die Legende der goldenen Schildkröte, die dem chinesischen König Le Loi das Schwert entreißt, um es den Göttern zurückzubringen.

Begleitet wird die Darbietung, dessen Abfolge seit Jahrhunderten immer gleich blieb,  von einem traditionellen Orchester, das seitlich der Wasserbühne sitzt und die Bedeutung der Stücke mit Trommeln, Flöten und herzzerreißenden Gesängen unterstreicht.

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Die seltsamste Gasse der Welt – die namenlose Gleis-Gasse in Hanoi

Inmitten der Altstadt Hanois befindet sich eine enge Gasse ohne Namen, die gerade so breit ist wie ein Bahngleis. Rechts und links des Bahngleises leben und arbeiten Menschen in dreistöckigen Häusern, deren Tagesrhythmus vom Fahrplan des Expresszugs nach Saigon bestimmt ist. Gleich wie in anderen Gassen und Straßen gibt es hier kleine Geschäfte, Werkstätten und Garküchen.

Die Bewohner der namenlose Gasse müssen Menschen von ganz besonderem Gleichmut sein, die dem durchrasenden Ungetüm völlig entspannt entgegensehen. Sobald sich der Zug durch lautes Hupen und Vibrieren der Schienen ankündigt, werden schnell Stühle, Tische und Sachen weggeräumt, und sämtliche Bewohner verschwinden im Haus.

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Nachdem der Express mit einem Donnern entlang der Häuserwänden gebraust ist, erhebt sich die Schranke und das tägliche Leben geht weiter, Tische und Stühle werden wieder auf die Gleise gestellt, Wäsche wird gewaschen oder die Pho serviert.

Ich kenne jetzt das Geheimnis des berühmten vietnamesischen Egg-Coffee’s – ein Schuss Vodka

Meine Tochter und ich, wir nahmen an der vietnamesischen Kochschule von Apron up-cookingclass teil. Nhi, unsere Kochlehrerin, nannte sich selbst „The Small“ – so klein war sie gar nicht – ging mit uns als Allererstes auf den Markt und das ist ein Erlebnis für sich.

Das Schwein, dessen Fleisch wir als erstes eingekauft hatten, wurde am Vormittag dort auf dem Tisch an der Straße geschlachtet, auch die Tintenfische und Garnelen lebten alle noch in den Plastikschüsseln am Straßenrand. Frischen Tofu wird in Ha Noi nur an einem Stand gemacht und die Sesambällchen mit Füllung sind eine süße Versuchung.

Neben der Pho bo, der traditionellen Rindfleisch-Nudelsuppe, haben wir Bun cha, der traditionellen Nudelsuppe mit Hackfleischbällchen, Spring rolls, Papaya Salat und den berühmten Egg-Coffee zubereitet.

Der vietnamesische Egg-Coffee ist eine Spezialität aus Ha Noi. Der Geschichte nach hat ein Barkeeper des Sofitel Legend Metropol Hotels in Hanoi 1946, als frische Milch Mangelware war, die Milch durch ein aufgeschäumtes Eigelb ersetzt. Seitdem gilt der Egg-Coffee als Spezialität und wird in Ha Noi in jedem Café angeboten.

Aufgeschäumtes Eigelb wird zusammen mit Kondensmilch, Zucker und Salz verquirlt und in aufgebrühten vietnamesischen Robusta Kaffee gegeben. Zwei Tropfen Vodka verfeinern nicht nur den Geschmack des starken Kaffees, sondern nehmen den Eigeschmack aus dem Getränk.

Wir sind nun Fans des schaumigen Egg-Coffee, der auch gerne eine Mahlzeit ersetzen kann.

Von ihrem Vater verstoßen: Quan Âm – Göttin der Barmherzigkeit

Wie eine Prinzessin, die von ihrem Vater verstoßen wurde, zur wichtigsten Göttin im südostasiatischen Raum wurde

Quan Am, im chinesischen Raum Guan Yin genannt, sitzt auf einer Lotusblume und zeichnet sich durch ihre weibliche Darstellung mit etwa 42 Armen (manchmal auch 98 Armen) und ebenso vielen Augen aus. Sie ist vergleichbar mit der Bedeutung der heiligen Maria im Christentum. Da ich von der Legende so fasziniert war, möchte ich sie hier wiedergeben.

Die dritte Tochter Maio Shan des Regenten des Nördlichen Königreiches Chaung Wan sollte verheiratet werden, was sie verweigert hatte. Daraufhin wurde ihr Vater so zornig, dass sie dem Kloster des weißen Vogels beitrat, um ihr Leben als Nonne zu fristen. Ihr Vater befahl, dass sie „niedrigste Arbeiten verrichten und dann heimkehren solle“. Die Prinzessin blieb jedoch standhaft und kehrte nicht zurück. Daraufhin gab der Vater den Befehl, die Tochter erstechen zu lassen, was jedoch nicht gelang.

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Dann ließ er sie ersticken, wodurch sie in die Unterwelt gelangte. Der Herrscher der Unterwelt erkannte jedoch ihr gutes Wesen und schickte sie wieder zurück. So schwebte sie auf einer Lotusblüte zu einer Insel, wo sie als Göttin den Kranken half. Dann hörte sie davon, dass ihr Vater schwer erblindet sei, und er nur durch ein neues Auge geheilt werden konnte. Die barmherzige Göttin opferte ihr Auge und ließ es zu ihrem Vater bringen, der wieder gesund wurde. Daraufhin erbarmte sich der Vater und betete für seine Tochter, der vom Himmel ein neues Auge geschickt wurde.

Seitdem werden im südostasiatischen Raum Götterstatuen mit tausend Armen und tausend Augen aufgestellt. Die Menschen suchen bei ihr Trost, Glück und Hilfe bei gesundheitlichen und finanziellen Problemen, aber auch bei Kinderwunsch.

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